SchachtZeichen: gelbe Zeichen hoch über'm Revier

Schachtzeichen Panorama Montage ©Thomas Schmidt, Stadt Herne
Vergrößern Schachtzeichen Panorama Montage ©Thomas Schmidt, Stadt Herne
„Hier stand tatsächlich mal ’ne Zeche ?“ Diese Frage vielerorts zu provozieren, ist das Ziel des Projektes SchachtZeichen. Dahinter steht die Idee, den Strukturwandel im Ruhrgebiet erfahrbar zu machen - um Pfingsten 2010 werden gelbe Heliumballone bis zu 80 m hoch über den alten Bergwerkstandorten schweben.
 
Die SchachtZeichen markieren die Wurzeln des Ruhrgebiets: jene Orte, wo die Kohlevorräte erschlossen wurden, auf denen Industrialisierung, Migration, Stadtentwicklung und Wohlstand im Ruhrgebiet aufbauten.
 
Das Projekt will ein Bewusstsein für den Strukturwandel im Ruhrgebiet schaffen: Was befindet sich heute dort, wo vor wenigen Jahrzehnten noch Schachtgerüste und Kokereien standen? Es will Erinnerungen wecken und (mit)teilen, Aufmerksamkeit erzeugen für die enorme Leistung des Aufbaus und des Neubeginns, die die Menschen des Ruhrgebiets in den letzten 100 Jahren geschaffen haben.
 
So sehr das Ruhrgebiet heute auch mit seinen Zechengeländen kulturell und architektonisch punktet, so wenig ist Jüngeren bewusst, dass die heute mit Kultur aufgeladenen Bergwerke wie Zollverein, Unser Fritz oder Mont Cenis nur eine verschwindend kleine Restmenge von zahlen- und flächenmäßig sehr viel größeren Bergbauanlagen sind. Die Zechenanlagen sind faktisch nicht mehr da, obwohl der Bergbau ständig als zentrales Identifikationssymbol und Wurzel des Ruhrgebietes herausgestellt wird. Der Bergbau hat die Struktur der Stadt- und Naturräume ebenso wie die Traditionen und Biografien in der Region geprägt. Indem die Bündelungspunkte des Bergbaus im Ruhr­gebiet nun noch einmal sichtbar markiert werden, wird der Veränderungsprozess, die enorme Kultur- und Wirtschaftsleistung des Wandels in dieser ehemaligen Montanregion greifbar.
 
Umsetzung
Die in Frage kommenden Orte müssen begutachtet und hinsichtlich ihrer Tauglichkeit für das Projekt beurteilt werden. Hier ist die Unterstützung der Grundstückseigentümer und Besitzer der Schächte (Berechtsamen) sowie von Initiativen, Städten und Kommunen sehr wichtig. Dabei soll die ehrenamtliche oder finanzielle Unterstützung sowohl durch deutliche Hinweise vor Ort und in Dokumentationen als auch durch die Möglichkeit gegeben werden, mit dieser Aktion in eigenen Publikationen bzw. Firmenwerbung aktiv zu werben. (Entsprechende Unterstützerpakete werden zusammengestellt.)
 
Die Heliumballone mit einem Durchmesser von 3,70 m – 5 m, die mit drei Seilen gegen Abtrieb geschützt und in bis zu 80 m Höhe gesetzt werden (ein Prototyp ist Ende April 08 erfolgreich in Gelsenkirchen getestet worden), müssen aus Sicherheitsgründen bei Nacht eingeholt werden.
 
Die Kommunikation zwischen den Standorten, den Initiativen u.a. sowie der Aufbau eines Netzwerks erfolgt durch ein zentrales Büro und über eine eigene Homepage.
 
Der umtriebige Herner Historiker Ralf Piorr leitet die historische Aufarbeitung der Standorte und arbeitet gerade an einem abwechslungsreichen Programm.
 
Ausblick
Wenn SchachtZeichen Pfingsten 2010 (22. bis 30. Mai) anläuft, erheben sich Ruhrgebietsweit an 20 Standorten von Neukirchen-Vlyn bis Hamm-Heesen, von Wulfen bis Sprockhövel 400 gelbe Fesselballone bis zu 80 Meter in den Himmel und markieren die Knotenpunkte der Industriekultur.
Im Umfeld der Standorte haben Traditionsvereine und Nachbarschaften, Schulen und Geschichtsinitiativen, Nachnutzer und Neubesitzer des Geländes die Gelegenheit genutzt, ihre individuelle Ortsgeschichte des Aufbaus und des Wandels zu erzählen und zu dokumentieren.
Von den Bergehalden, von begehbaren Schachtgerüsten und Türmen, von den natürlichen Anhöhen aus, kann man weit im Land über dem grünen Ruhrgebiet die gelben Ballonzeichen sehen –auf der Himmelsleiter (Stadtgrenze GE/BO/E) stehend, hätte man beispielsweise ca. 50 Ballone im Blick; auf der Halde „Haniel“ wären es um die 100 Ballone.
Touristen aus ganz Europa begreifen sinnlich, was „die Kohle“ für das Revier war und was der Abschied von einer montan-industriellen Vergangenheit für die Metropole Ruhr bedeutet.
 
Projekt
Idee von Volker Bandelow (Bochum) für das Kulturhauptstadtjahr 2010 im Ruhrgebiet, konkretisiert von Michael Moos (Hattingen) und Volker Bandelow; Historische Aufarbeitung: Ralf Piorr
 
 
 
 
 
Informationen zum Ort mit Anfahrt:
 
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